Petraeus setzt nur alte militärische Tradition fort: Swingen

Wir wissen inzwischen alle, dass der Titel „All in“ des Buches von Paula Broadwell über General David Petraeus sich gar nicht auf die alte Pokerphrase bezog. Aber was viele nicht wissen: Petraeus führte – in gewisser Weise – nur eine im Zweiten Weltkrieg bei den Bomberpiloten der Air Force entstandene Tradition fort: Sex mit den Frauen anderer Männer.

Allerdings mit dem feinen Unterschied: die Bomberpiloten und deren Frauen taten es nicht – wie Petraeus und auch Frau Broadwell, über deren Untreue zu Ihrem Mann sich die Leute anscheinend weniger aufregen – heimlich und ohne Wissen des Partners, sondern mit Wissen und Einverständnis. Sie, und nicht etwa die Hippies, waren die Erfinder der uns so modern erscheinenden Konvention des Swingens.

So können Sie es nachlesen unter anderem auf Wikipedia oder in dem Buch von Terry Gould The Lifestyle: A Look at the Erotic Rites of Swingers. Wenn man Goulds Darstellung folgt, taten die Piloten dies als eine Art Bonding Ritual, denn sie hatten eine hohe Todesrate, und durch das Wife-Swapping sollte sicher gestellt, werden, dass eine emotionale Bindung entstand und überlebende Kameraden sich nach dem Krieg um die Frauen und  Kinder der Überlebenden kümmerten.

Diese Art menschlichen Sozialverhaltens ist möglicherweise weitaus älter, als die Rituale der US-Bomberpiloten. Chris Ryan und Cacilda Jethá stellen in Ihrem Buch Sex at Dawn dieses Verhalten der Air Force Piloten auch dar 1, als ein modernes Beispiel für jahrtausendealte menschliche Verhaltensweisen. Ryan und Jethá zitieren zahlreiche wissenschaftliche Werke, in denen Ethnologen ähnliches Verhalten für viele Völker beschreiben, wo unter anderem wegen einer frei gelebten Sexualität sich die ganze Gruppe für jedes Kind verantwortlich fühlte, statt nur dessen leibliche Eltern und nahe Verwandte.

Derartiges Verhalten, als Absicherung des Nachwuchses, findet sich auch in polyandren Kulturen, wie erst kürllich dargestellt in der preisgekrönten Studie Best Paper by a Student: “A survey of non-classical polyandry” von Katie Starkweather und ihrem Co-Autor Raymond Hames, die zeigten, dass Polyandrie (Vielmännerei) weitaus verbeiteter ist, als bisher angenommen. Siehe dazu meinen Artikel: Polyandrie häufiger als angenommen, moderne Gesellschaften enthalten Elemente der Polyandrie

Vielleicht täte es den USA gut, sich einfach eine ähnlich entspannte Haltung zum Sexualverhalten ihrer Politiker/-innen zuzulegen, wie wir Deutschen. Wer bei uns so alles Parteichef und Ministerpräsident werden kann, obwohl sein Familien- und Sexualleben so gar nicht den offiziell von seiner Partei vertretenen Auffassungen entspricht …

 

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Besuchen Sie auch meine Webseite Polygamie-ist-gut-fuer-Sie.de, die sich speziell den Vorzügen von Mehrfachbeziehungen (Polygamie / Polyamorie) für Frauen und Männer, Hetero-, Homo- und Bisexuelle, Familien und die Gesellschaft widmet.

 

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  1. Sex at Dawn, 1st ed. S.307f
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Viktor Leberecht ist mein Pseudonym für meine Arbeit als freier Autor. Ich bin studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Ich lebe seit 2003 in einer polyamoren Beziehung mit einer verheirateten Frau. Ich schreibe über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben. Ich setze mich für Mehrfachbeziehungen im Rahmen der Menschenrechte ein, also natürlich gleiches Recht für alle.

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