Thesen zu Polygamie und Monogamie – These 1

 

These 1: Jeder erwachsene Mensch muss frei sein – ohne staatlichen, gesellschaftlichen, religiösen oder sonstigen Zwang – die ihm gemäße Liebes-, Ehe- und Familienform zu wählen, vorausgesetzt dass er damit anderen Menschen keinen Schaden zufügt.

Mit dieser These weiche ich vom derzeit noch geltenden besonderen Schutz der monogamen heterosexuellen Ehe ab, wie er in Art. 6 Abs. 1 GG und durch Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts festgelegt ist (gut erläutert in diesem Artikel auf Wikipedia). Hauptbegründung für diese Bevorzugung ist, dass diese Art Ehe die Vorstufe der Familie sei, definiert als eine Ehe, aus der Nachwuchs hervorgeht, oder genau genommen, bereits hervorgegangen ist.

Zuerst muss dazu gesagt werden, dass auch polygame Ehen – zumindest zwischen Männern und Frauen – oft auf Vermehrung ausgerichtet sind; sie qualifizieren sich also in jedem Fall für den besonderen Schutz, da sie Vorstufe einer Familie sein können.

Vor allem aber gibt es meiner Meinung nach keinen Grund mehr, die letztlich auf christlichen Wertvorstellungen beruhende Bevorzugung monogamer und heterosexueller Ehen und Familien in Deutschland fortzuführen. Wir sind kein christlicher Staat, sondern haben eine ebenfalls im Grundgesetz festgelegte Trennung von Staat und Kirche. Also können christliche Vorstellungen, wie Ehe und Familie zu gestalten seien, nicht zur Regel für alle gemacht werden.

Dies gilt umso mehr, weil wir unsere Gesellschaftsordnung auf den Menschenrechten mit dem dazu gehörenden Schutz des Privaten, der Trennung von Staat und Kirche und der Religionsfreiheit, die auch Freiheit von religiöser Bevormundung beinhaltet, begründet haben. Dazu passt es nicht, wenn die Vorstellungen einer bestimmten Religion zur Regel für alle gemacht und dafür in so tiefgreifender Weise in den Bereich des Privaten eingegriffen wird.

Die Gestaltung des Familienlebens ist Privatsache, und es ist falsch, wenn Staaten ihren Bürgern nur ein eng definiertes Spektrum an Möglichkeiten des familiären Zusammenlebens gestatten, solange niemand Schaden zugefügt wird. Am besten formuliert hat es der US-Rechtsprofessor und Anwalt Jonathan Turley: “There is no spectrum of private consensual relations – there is just a right of privacy that protects all people so long as they do not harm others.” 1

Nicht zuletzt sei daran erinnert, dass die Vorstellungen, was im Bereich Sexualität, Ehe, Familie möglich und mit der Gesellschaftsordnung vereinbar ist, sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert haben. Wenn wir Homosexualität entkriminalisieren und enttabuisieren konnten, so dass Lesben und Schwule sich heute offen zeigen und sogar höchste Ämter bekleiden können, warum sollte das mit freiwillig und wissentlich eingegangener Polygamie nicht möglich sein?

Welcher Schaden sollte daraus entstehen? Keiner!

In 2012 zeigte eine Studie von Ökonomen, dass Polygamie mit Demokratie vereinbar sei. Und ich argumentiere in meinem Artikel Evidenzbasierte Politik müsste Polygamie legalisieren, dass Politik – wäre sie denn evidenzbasiert – realisieren müsste, dass die monogame Ehe als einzige und per Zwang durchgesetze Institution als Muster für dauerhafte Beziehungen für die meisten Menschen nicht funktioniert und durch andere Möglichkeiten ergänzt werden muß.

Weitere, modernere, unserer heutigen Lebenswirklichkeit in Deutschland besser entsprechende und meiner Meinung nach auch humanere Vorstellungen zu Definitionen von Ehe und Familie finden Sie in zahlreichen der Artikel, die ich auf Polygamie-ist-gut-für-Sie.de veröffentliche bzw. zitiere und den Büchern, die ich dort vorstelle. Darunter empfehle ich besonders:

Polygamie ist gut, in dem ich eine Menge Vorurteile über Polygamie ausräume.

Liest Familienministerin Schröder Viktor Leberecht?

Lasst doch einfach mehr als zwei Menschen heiraten (Jean Hannah Edelstein, Guardian, August 2012)

 

Dies ist These 1 der Thesen zu Polygamie und Monogamie von Viktor Leberecht.

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Stand vom: Montag, 31 Dezember, 2012 um 11:28
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Besuchen Sie auch meine Webseite Polygamie-ist-gut-fuer-Sie.de, die sich speziell den Vorzügen von Mehrfachbeziehungen (Polygamie / Polyamorie) für Frauen und Männer, Hetero-, Homo- und Bisexuelle, Familien und die Gesellschaft widmet.

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