Thesen zu Polygamie und Monogamie – These 9

 

These 9: Polygamie gleichberechtigter Partner ist eine den Menschen – Männern und Frauen – natürliche und zuträgliche Lebensform.

Wenn ich hier von “natürlich” spreche, meine ich dies im Sinne, dass es eine Lebensweise ist, die anscheinend nicht erst durch Verordnung aufgepropft und deren Bruch mit Verboten belegt werden muss, wie die erst mit dem Ackerbau aufgekommene Monogamie, damit sie eingehalten werden. Wenn auch all diese Verbote wenig Erfolg haben, wie für die Gegenwart die Statistiken zur Zahl der Scheidungen und Fremdgehen belegen, wonach sexuelle Untreue ganz klar der Hauptgrund für Scheidungen ist.

Sofern diverse wissenschaftliche Veröffentlichungen recht haben, lebten die Menschen in den “Urhorden” promisk, was man als Vorstufe von Polygamie ansehen kann. Es scheint unter diesen natürlichen Umständen die Lebensform gewesen zu sein, welche die Menschen von selbst gewählt haben, während die Monogamie offenbar erst mit dem Beginn des Ackerbaus aufkam. Darüber wird noch heftig gestritten, und die provozierendsten, und deshalb umstrittensten Thesen bringen Chris Ryan und Cacilda Jethá in “Sex at Dawn” vor, siehe meinen Artikel : Sex at Dawn – bemerkt Deutschland die Revolution.

In diesem Sinne meine ich es, wenn ich sage, das Polygamie eine den Menschen natürliche Lebensform ist. Damit ist keine moralische Wertung verbunden, denn wie – soweit ich erinnere – Bertrand Russsel gesagt hat: Sexualität mit Moral zu verbinden, war einer der größten Fehler der Geistesgeschichte.

Zuträglich meine ich in einem ganz praktischen Sinne, dass Polygamie diverse Probleme lösen kann, die mit der Monogamie überhaupt erst aufkommen, z.B. wozu fremdgehen, wenn ich die sexuelle Anbwechslung in meiner Ehe mit den mir vertrauten Partnern/-innnen haben kann. Dazu auch mein Artikel: Evidenzbasierte Politik müsste Polygamie legalisieren.

Zur Gleichberechtigung: da bin ich zum einen Anhänger der Menschenrechte, das ist ein ethischer Standard, hinter den wir nicht zurück gehen sollten.
Zum anderen aber berichtet unter anderen “Sex at Dawn”, darüber, dass bei diversen Völkern, die in ihrer Lebensweise noch recht nahe an den ursprünglichen Lebensweisen der Ur-Nomaden zu sein scheinen (genau können wir das mangels schriftlicher Zeugnisse aus der Urzeit nicht wissen) Männer und Frauen gleichberechtigt sind.
Umgekehrt tauchen Probleme bei Polygamie – wie überhaupt in jeder Art Zusammenleben – in Gesellschaften vor allem dann auf, wenn eine Partei weniger Rechte hat, als die andere. In unserer Zeit findet sich das vor allem in polygynen – ein Mann, mehrere Frauen – Gesellschaften. Aber wenn man genau hinsieht, liegt das Problem nicht in der Polygynie, sondern in einer generellen Schlechterstellung der Frau in manchen Gesellschaften, in denen Polygynie als eine mögliche Eheform vorkommt. Dazu habe ich diverse Artikel auf “Polygamie-ist-gut-für-sie.de” veröffentlicht, unter anderem: “Polygamie in der Türkei – das wahre Problem ist die allgemeine Benachteiligung der Frauen (Juni 2011)“, der dieses Problem exemplarisch darstellt und den wahren Kern identifiziert. In Gesellschaften mit Gleichberechtigung der Geschlechter sollten derartige Probleme nicht auftauchen, wie ich es auch in These 6 darstelle.

 

Dies ist These 9 der Thesen zu Polygamie und Monogamie von Viktor Leberecht. Hier geht es weiter zur nächsten These.

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Besuchen Sie auch meine Webseite Polygamie-ist-gut-fuer-Sie.de, die sich speziell den Vorzügen von Mehrfachbeziehungen (Polygamie / Polyamorie) für Frauen und Männer, Hetero-, Homo- und Bisexuelle, Familien und die Gesellschaft widmet.

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  3 Responses to “Thesen zu Polygamie und Monogamie – These 9”

  1. Hallo Viktor Leberecht,

    grundsätzlich erst mal herzlichen Glückwunsch zu den tollen Seiten und deinem Engagement. Ich teile deine Sichtweise prinzipiell und bin selber polyamor eingestellt.

    Diesen hier kommentierten Punkt – These Nr. 9 würde ich noch mal kräftig überarbeiten, konkretisieren oder gänzlich streichen. Da ich weiß dass du philosophisch geschult bis, wird dir sicher ein naturalistischer Fehlschluss nicht unterlaufen, allein diese These kann dein Eindruck erwecken, sie wäre ein solcher Fehlschluss – selbst wenn du eine solche Schlussfolgerung nicht getroffen hast. Das sollte meines Erachtens konkretisiert werden. Vermutlich wolltest du dem entgegengesetzten Fehlschluss vorbeugen, dass Monogamie “natürlich” sei und daher auch “moralisch geboten” oder “zu bevorzugen”. Beides wäre falsch, wenn gleich die “Seins-Aussage” – “Menschen können erfolgreich Polyamore Beziehungen führen” völlig richtig wäre oder schärfer: “Homo sapiens ist – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – von seinen biologischen Voraussetzungen her – nicht ausschließlich monogam veranlagt”. Aber dann vermischen sich auch in dieser These zu sehr Kultur und Natur für meinen Geschmack. So ist “Polygamie gleichberechtigter Partner” sicherlich ein kulturelle Errungenschaft und Produkt und kann daher wohl nur schwer als “natürlich” bezeichnet werden – oder was genau soll unter dem Begriff “natürlich” verstanden werden (je nach Definition des Begriffes kann man ja auch z.B. von “Kunstdünger” in der Landwirtschaft sprechen oder von einem “natürlichen Dünger” – wie es die Agraindustrie gerne tut – , weil der darin enthaltene Luftstickstoff natürlichen Ursprungs ist und eben aus der Umgebungsluft stammt, die 78% davon enthält. Wieviel menschliche Veränderung löscht “Natürlichkeit” aus?). Ich persönlich würde definieren “Gleichberechtigung” ist eine menschliche Norm als Ergebnis einer kulturellen Entwicklung (Evolution) und “natürlich” beschränkt sich auf biologische, physiologische Aspekte – evt. noch sehr basale psychologische Aspekte (Hunger, Sexualtrieb etc.), da alle höheren psychologische Aspekte kaum noch ohne den Einfluss kultureller Prozesse zu verstehen sind.

    Viel Erfolg in deinem weiteren Bemühen!

    Eine wichtige Arbeit!

    logico

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