Apr 012012
 

Sex at Dawn von Christopher Ryan und Cathilda Jethá stürmt seit seinem Erscheinen im Jahr 2010 weltweit die Bestsellerlisten und wird in zahlreiche Sprachen übersetzt. Nur deutsche Buchverlage und Medien verschlafen anscheinend dieses weltweite Phänomen. Es gibt kaum Artikel in deutschen Medien, die das Buch erwähnen, suchen Sie mal online danach. Jetzt ist Sex at Dawn endlich in dem Artikel „Monogamie – Die große Lüge“ in der „Zeit“ von Michèle Binswanger zumindest ausführlich ewähnt worden, der über 350 Kommentare hervorrief. Offenbar sind die Themen Monogamie und Polygamie interessant für deutsche Leser/innen und regen sie zum Diskutieren an.

Wie Christopher Ryan mir auf meine Anfrage auf Twitter bestätigte, hat bis heute kein deutscher Buchverlag bei ihm angefragt. Dabei erfüllt Sex at Dawn alle Voraussetzungen eines Bestsellers. Unterhaltsam geschrieben behandelt Sex at Dawn nicht nur vor allem das Thema Sexualität, sondern stellt wissenschaftlich fundiert die Dogmen des Verständnisses unserer Evolution sowie des angeblichen Kerns unserer westlichen Gesellschaften in Frage: die monogame Paarbeziehung.

Sex at Dawn geht mit seinen Thesen, Argumenten und Nachweisen an die Wurzeln unseres Verständnisses von Gesellschaft und des Individuums. Die meisten Rezensenten in anderen Ländern loben das Buch, aber natürlich ruft es mit dieser fundamentalen Infragestellung auch Widerspruch hervor. Das wird sehr gut erläutert von Ulrich Clement, Professor für Medizinische Psychologie an der Universität Heidelberg, in einem Artikel über Sex at Dawn sowie einem Bericht über eine Diskussion unter Psychologen zur Nichtmonogamie, hier ein Auszug: „Einige Diskutanten wollten unbedingt wissen, ob die für Nichtmonogamie votierenden irgendwelche sexuellen Störungen hätten. Für mich ein schönes Beispiel, wie sozial beunruhigendes Begehren die Pathologisierer auf den Plan ruft, die es in einer diagnostischen Schublade unterbringen und krankschreiben wollen.“ Man denke an die Legende von der Sexsucht, die so eine große Rolle in der US-Politik spielt, wie Marty Klein darstellt.

Mit etwas Glück werden wir mehr solche Diskussionen in Deutschland erleben, wenn wir Sex at Dawn auch in deutscher Sprache lesen können. Laut Christopher Ryan arbeiten drei Freiwillige an einer Übersetzung, und vielleicht wachen Deutschlands Verleger/innen auch auf und merken, das hier ein interessantes, für die gesellschaftliche Diskussion wichtiges Buch auf seine Veröffentlichung in Deutschland wartet. Ein letzter Hinweis an die Verlage, warum das Buch im wahrsten Sinne lohnend sein dürfte: „Sex sells“ gilt auch in Deutschland.

Notice: This article can also be found in a translated english version on my english-language website viktor-leberecht.com. How i do my translations.
Besuchen Sie auch meine Webseite Polygamie-ist-gut-fuer-Sie.de, die sich speziell den Vorzügen von Mehrfachbeziehungen (Polygamie / Polyamorie) für Frauen und Männer, Hetero-, Homo- und Bisexuelle, Familien und die Gesellschaft widmet.

 1. April 2012  Posted by  Lesenswert  Add comments

  6 Responses to “Sex at Dawn – bemerkt Deutschland die Revolution?”

  1. […] have been added or left out to better meet the needs of an international audience – from an original article on one of my german websites Viktor-Leberecht.de or Polygamie-ist-gut-fuer-sie.de (engl:Polygamy is […]

  2. […] Sexualforscher Chris Ryan, weltbekannt durch das von mir schon mehrfach empfohlene Buch Sex at Dawn, hat jetzt eine Kolumne in dem trotz englischem Titel deutschsprachigen Magazin […]

  3. was ist denn inzwischen aus dem projekt mit der freiwillen übersetzung geworden?

    • Bitte die späte Antwort zu entschuldigen. Freunde von mir haben Ansprechpartner bei Verlagen und Agenturen vermittelt, und es gibt meines Wissens noch jemand, der versucht, das Buch bei einem deutschen Verlag unterzubringen. Bei meinem letzten Kontakt mit Chris Ryan dazu hatte sich aber noch nichts Spruchreifes ergeben.

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