#Ehefueralle – Natürlich sind Polygamie und Homo-Ehe gleichzusetzen

UN-Menschenrechtscharta. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license. Molgreen [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]
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Annegret Kramp-Karrrenbauers Aussagen über Homo-Ehe, Polygamie und Inzest, sowie der von der SPD-Generalsekretärin Fahimi daraus abgeleitete Vorwurf, damit würden Homo-Ehe, Polygamie und Inzest gleichgesetzt, beschäftigen seit Tagen die deutsche Medienöffentlichkeit. Inklusive Twitter Hashtag #Ehefüralle. Für mich ist daran natürlich vor allem das Thema Polygamie interessant.

Homo-Ehe und Polygamie gleichsetzen – ist das schlimm?

Frau Fahimis und anderer Menschen Empörung bis hin zur Anzeige wegen Volksverhetzung, darüber dass Homo-Ehe mit Polygamie gleich gesetzt werde, zeigt vor allem, dass auch für Linke und natürlich progressiv denkende Menschen Polygamie ein negativ besetzter Begriff und jede Konstruktion eines Zusammenhangs mit der gesellschaftlich letztlich akzeptierten Homo-Ehe aus deren Sicht ein Unding ist.

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Wer so denkt und argumentiert, zeigt vor allem, dass er in Vorurteilen verhaftet ist. Da ist Polygamie grundsätzlich etwas Schlechtes, und es wird ignoriert, dass nur knapp 20 % aller menschlichen Gesellschaften die Monogamie zur Regel machen. Die anderen 80 % menschlicher Gesellschaften sind also schon mal grundsätzlich schlecht, zumindest aus Sicht von Fahimi und Konsorten. [1.Informationen zur Verbreitung von Polygamie finden Sie in dem Artikel Vorurteile über Polygamie.]

Mit derartigen „Argumenten“ werden Millionen Menschen, Männer und Frauen, diskriminiert, die weltweit polygam leben, inklusive der Frauen, die in einer polyandren Ehe leben, also eine Frau mit mehreren Männern. Vorurteile sind selbstverständlich ausreichende Grundlage für diese millionenfache Diskriminierung. Möge am politisch-korrekt-anti-polygamen deutschen Wesen die Welt genesen.

Warum Homo-Ehe und Polygamie gleichzusetzen sind, nämlich gleich-zu-berechtigen

Tatsächlich fortschrittliche Denker wie Jonathan Turley, einer der Top-Verfassungsrechtler der USA, sehen schon lange keinen Grund mehr, Polygamie zu verbieten. Für ihn gibt es kein Spektrum erlaubter Beziehungsformen, sondern nur die Freiheit des Individuums. Diese darf nur eingeschränkt werden, um Schaden von einzelnen oder der Gesellschaft abzuwenden. [2. „Eine große, glückliche polygame Familie (Jonathan Turley, New York Times, Juli 2011)„]

Auch ein US-Bundesrichter urteilte jüngst, dass das Gesetz des Staates Utah, mit dem es verheirateten Menschen verboten war, mit weiteren in einer Beziehung zusammenzuleben, ein Verstoß gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika sei. Dabei bezog er sich ausdrücklich auf frühere Rechtsprechung, mit der das Recht auf Homosexualität als Teil der Privatsphäre geschützt wurde. Die gleiche Argumentation müsse auch für Mehrfachbeziehungen gelten. [3. „Sieg für Polyamorie und Polygamie im Sister Wives Prozess um Kody Brown„.]

Und damit sind wir bei Kramp-Karrenbauer und Fahimi, aber im umgekehrten Sinne ihrer Argumentation. Es geht hier um Menschenrechte, und es gibt keine mit den Menschenrechten in Einklang zu bringende Argumentation, weshalb eine von Erwachsenen freiwillig und mit Wissen und Einverständnis aller Beteiligten eingegangene Beziehung verboten werden sollte, solange niemand daraus ein Schaden entsteht. Bis allerdings die Diskussion in Deutschland das Niveau der USA erreicht hat, wird es wohl noch dauern.

Um die Zeit dahin zu überbrücken, und um sich besser darüber zu informieren, empfehle ich Ihnen meine „Thesen zu Polygamie und Monogamie“ insbesondere „Thesen zu Polygamie und Monogamie – These 1„.

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Über Viktor Leberecht 693 Artikel
Viktor Leberecht ist studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Er gehört keiner Religion oder weltanschaulichen Gruppe an. Viktor lebt seit 2003 in einer polyamoren und offenen Beziehung mit einer Frau, die mit einem anderen Mann verheiratet war - ihr Ehemann starb 2018. Viktor redet und schreibt über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben.

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