Ist Polyamorie genetisch veranlagt? Forschungsprojekt

Polyamory Flag

Ein deutscher Wissenschaftler will erkunden, ob Polyamorie genetisch veranlagt ist. Im Rahmen einer Masterarbeit für das Fach „Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften“ an der Ruhr-Universität Bochum will Julien Wessels erforschen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Hormon Oxytocin und Polygamie bei Menschen gibt.

Inhalt des Projekts

Das Projekt fasst den Begriff der Polyamorie weiter, als die klassische Definition. Julien Wessels erläutert, es gebe:

… polygame Beziehungskonzepte, die sich untereinander zum Teil auch erheblich unterscheiden. Nicht alle davon können widerspruchslos als „richtige“ Polyamorie bezeichnet werden, sind aber für diese Untersuchung genauso interessant. Die Polyamorie ist hier  als Oberbegriff gewählt, „Poly-Gen-Projekt“ klingt einfach viel besser als „Einvernehmlich-nicht-monogame-Beziehung-Gen-Projekt“.

In dem Projekt soll einerseits der Zusammenhang zwischen einem bestimmten Oxytocin-Rezeptor-Typen und dem polyamoren Lebensstil untersucht werden. Der Rezeptor-Typ lässt sich mit einem einfachen und ungefährlichen Abstrich im Mund genetisch bestimmen. Dafür kann man das Testkit online bestellen (inzwischen nicht mehr, Testzeit ist zu Ende). Wer das tut, liest am besten die Anleitung für: das Testkit.

Die Untersuchung wird ergänzt durch einen anonymen Fragebogen, den man online ausfüllen kann. Idealerweise macht man beides inklusive Abgabe der Erfassungsnummer, damit Probe und Fragebogen, die jeweils anonym eingereicht werden, einander zugeordnet werden können.

Julien Wessels reist auch durch das Land zu Poly-Stammtischen, dann kann der Test direkt durchgeführt werden. Der Tour-Kalender.

Ist Polyamorie genetisch veranlagt? Was denken Sie?

JulienWessels ist sich möglicher Kritik an seinem Projekt bewusst und schreibt:

Diese Studie kann, und will, auf keinen Fall eine natürliche, „richtige“ Sexualität des Menschen propagieren, oder das Abweichen von irgendeiner Norm abwerten. Das Ziel ist viel mehr, einen Beitrag zu dem Verständnis des vielfältigen und individuellen Erlebens und Ausdrückens von menschlichen Beziehungen, zu leisten.

Menschliches Verhalten ist zu komplex, um es mit einigen wenigen Faktoren hinreichend erklären zu können. Dies gilt sowohl für biologische, als auch soziale Einflüsse.

Was denken Sie? Ist Polyamorie genetisch veranlagt? Ist vielleicht nur eine bestimme gruppe Menschen für derartige Beziehungen geeignet? Oder ist das universell möglich?

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Über Viktor Leberecht 692 Artikel
Viktor Leberecht ist studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Er gehört keiner Religion oder weltanschaulichen Gruppe an. Viktor lebt seit 2003 in einer polyamoren und offenen Beziehung mit einer Frau, die mit einem anderen Mann verheiratet war - ihr Ehemann starb 2018. Viktor redet und schreibt über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben.

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