Ist Polygamie „Verrücktheit“, Herr Generalvikar?

In einem Beitrag auf Facebook hat der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, sich kritisch zu der Forderung der Piraten nach Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sowie der Polygamie mit der Ehe  geäußert und dies als „Verrücktheiten“ bezeichnet.

Ich habe mir erlaubt, das zu kommentieren und bringe hier Auszüge aus meinem Kommentar:

„Sehr geehrter Herr Fuchs

in Ihrem Kommentar empören Sie sich, dass die Piraten die Gleichstellung der Ehe mit eingetragenen Partnerschaften fordern. Dies ist nicht nur eine Forderung der Piraten, sondern entspricht einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Bundesregierung bisher nicht umgesetzt hat.  Politiker – auch homosexuelle – bleiben Gleichstellung der „Homoehe“ schuldig. Wichtig auch für Polygamie. Ähnlich hat sich auch der europäische Gerichtshof geäußert, der die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Ehen – ich benutze bewusst diesen Terminus – in steuerlichen Fragen untersagt hat. EU-Richter gegen „Diskriminierung wegen sexueller Ausrichtung“

Wichtiger aber ist mir Ihre Diskriminierung der Polygamie, denn was ist es anderes als Diskriminierung, wenn Sie die Forderung der Gleichstellung dieser Eheform als Verrücktheit bezeichnen. Polygamie ist eine weitaus ältere Lebensform, als Monogamie. Wenn Sie sich dazu auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand bringen wollen, lesen Sie das zusammmenfassende Buch „Sex at Dawn“ von Chris Ryan und Cacilda Jetha. Sie ist noch heute auf der Welt in vielen und keineswegs nur islamischen Gesellschaften verbreitet, und sie produziert weitaus mehr langlebige, ja lebenslange Partnerschaften, als unsere erzwungene Monogamie. Die Scheidungsstatistiken aller Länder sprechen Bände zur mangelnden Haltbarkeit monogamer Beziehungen.

Besonders stört mich, dass Sie sich angeblich wegen der Kinder gegen diese „Verrücktheiten“ aussprechen. Was diese vielen Scheidungen immer kurzlebigerer Beziehungen für die Kinder bedeuten, da fragen Sie einfach mal ein paar Psychotherapeuten. Umgekehrt produzieren polygame und promiske Kulturen offenbar weitaus stabilere Umgebungen für Kinder. Auch hierzu empfehle ich die gründlich gesammelte, gesichtete und bewertete wissenschaftliche Literatur in Sex at Dawn.

Nicht zuletzt finde ich es immer wieder erstaunlich, welch aggressive Wortwahl die Vertreter der Kirche finden, wenn Sie gegen anderslautende Ansichten Stellung nehmen („Verrücktheiten“ etc). Ist nicht eine der Kernbotschaften Jesu „Liebet eure Feinde“? In diesem Sinne kann ich nur Herrn Christian Eckl zustimmen, der hier schrieb: „Und mit Unfreiheit geht der Einfluss der Religion leider, das ist wohl eine Erfahrung der Zeitgeschichte, stets einher, wenn es um Gesellschaftsbilder geht.“

Mit freundlichen Grüßen, Viktor Leberecht“

Nun bin ich neugierig und sicher, dass der Herr Generalvikar in christlich vorbildlicher Weise antworten wird. Mehr vielleicht demnächst auf Facebook.

Notice: This article can not be found in a translated english version on my english-language website viktor-leberecht.com. How i do my translations.
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Über Viktor Leberecht 136 Artikel
Viktor Leberecht ist mein Pseudonym für meine Arbeit als freier Autor. Ich bin studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Ich lebe seit 2003 in einer polyamoren Beziehung mit einer verheirateten Frau. Ich schreibe über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben. Ich setze mich für Mehrfachbeziehungen im Rahmen der Menschenrechte ein, also natürlich gleiches Recht für alle.

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