Polyamorie – ein Anti-Beziehungs-Mangel Modell für die Zukunft (ieet.org, 18.02.2012)

Polyamory Flag

Der Titel ist ja grauenhaft für einen Artikel über so etwas schönes wie Polyamorie, werden Sie vermutlich denken. Aber das ist tatsächlich die dem lesenswerten englischen Originaltitel am nächsten kommende Übersetzung: Polyamory – an Anti-Scarcity Relationship Model for the Future, von Melanie Swan berichtet über die erste International Academic Polyamory Conference, die vom 15-17. Februar 2013 in Berkeley in den USA mit rund 100 Teilnehmern stattfand.

Die International Academic Polyamory Conference

Bei der International Academic Polyamory Conference  wurden diverse wissenschaftliche Studien von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt vorgestellt. Melanie Swan berichtet, dass die Forschung über Polyamorie zwar noch ein junges Feld der Wissenschaft sei, ebenso wie die Praxis der Polyamorie, die auch im Deutschen oft mit dem im Englischen erfundenen Kunstbegriff  Polyamory bezeichnet wird. Bei Polyamorie einigen sich mehrere Menschen auf eine mit Wissen und Einverständnis aller Beteiligten auf Dauer angelegte Mehrfach-Liebesbeziehung. Einführende Artikel zu dieser Lebensform finden Sie auf meiner Seite “Polygamie und Polyamorie – Einführungen, Nachschlagewerke“.

Laut dem Bericht von Swan erweckt diese neue Art der Beziehung aber zunehmend das Interesse der Wissenschaft, da sie sich seit einigen Jahren immer mehr ausbreitet. Interessanterweise sind gerade die USA, mit ihrer in der Bevölkerung weit verbreiteten starken Aversion gegen die polygame Ehe, das Zentrum der weltweiten Entwicklung der Polyamorie, also einer Mehrfachbeziehung ohne die rechtlich verankerte Form der Ehe.

Polyamorie als Modell für die Zukunft

Swan sieht in der Polyamorie ein Modell für die Zukunft und meint mit ihrem sperrrigen Titel, dass diese Beziehungsform ein Vorbild für mehr und vor allem intensivere Beziehungen sei. Es beuge durch einige seiner wichtigsten Kennzeichen, die völlige Offenheit und Ehrlichkeit und den intensiven emotionalen Austausch unter den Beteiligten eben dem in der monogamen Gesellschaft so weit verbreiteten Mangel an Beziehung auch unter Paaren vor, die oft durch Verschweigen von emotionalen und sexuellen Wünschen vor dem Partner verursacht sei.

Weder Swan, noch die auf der Konferenz vertretenen Wissenschaftler, und auch keiner der öffentlich für Polyamorie eintritt, behauptet ernsthaft, dass Polyamorie alle Beziehungsprobleme löse oder es nie zu Eifersucht komme. Aber polyamor lebende Menschen scheinen durch ihre ständig geübte Praxis des intensiven Austauschs und der Bewusstmachung der eigenen Gefühle besser in der Lage, mit diesen Gefühlen umzugehen, als das unter monogamen Paaren zu beobachten ist.

Wissenschaft findet immer mehr Beweise für positive Qualitäten von Mehrfachbeziehungen

Swans Beschreibung der Qualitäten der Polyamorie deckt sich mit dem kürzlich im Scientific American erschienen Artikel, der monogamen Menschen empfahl, sich einige Beziehungstechniken der Polyamoren abzuschauen. Er passt ebenso zu den Ergebnissen einer kürzlich veröffentlichten Studie, die nach Auswertung zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen keine Beweise für die in westlichen Gesellschaften verbreitete Vorstellung einer Überlegenheit der Monogamie gegenüber Mehrfachbeziehungen finden konnte.

Der Artikel von Melanie Swan erschien bei ieet.org sowie auf ihrem eigenen Blog Broader Perpective.

Sie finden in der Artikelserie Polyamorie und Wissenschaft im Polyamorie Magazin von Viktor Leberecht alle Artikel, in denen es um die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Polyamorie geht.

Die Webseite Viktor Leberecht - Übersicht über die Inhalte

Artikelserien

Allgmeine Informationen über Polyamorie, Polygamie und Offene Beziehung

Der Bereich Was ist Polyamorie? mit diversen Unterseiten wie Vorurteile über PolyamoriePolyamorie Events und Treffen und Polyamorie Wissenschaft.

Im Bereich Was ist Polygamie? finden Sie zum Beispiel Vorurteile über Polygamie, Polygamie Einführungen, und Polygamie Wissenschaft.

Noch in Arbeit: Der Bereich Was ist Offene Beziehung?

Meine Thesen über Liebe und Familie frei von übertriebener staatlicher Regulierung in der demokratischen Gesellschaft

Ich habe seit 2010 Thesen über den möglichen Beitrag von Nicht-Monogamie zur modernen, auf den Menschenrechten und Gleichberechtigung basierenden, demokratischen Gesellschaft veröffentlicht und diese ständig weiter entwickelt. Thesen über Liebe und Familie frei von übertriebener staatlicher Regulierung.

Experte, Redner, Autor und Berater für Polyamorie, Polygamie und offene Beziehungen: Viktor Leberecht

Ich biete zu den oben genannten Themen unter Engagieren Sie Viktor:

Schicken Sie gerne Ihre Anregungen, die sind willkommen

Wenn Sie Anregungen haben, schicken Sie diese gerne über das Kontaktformular, wobei es ein spezielles für die Presse gibt. Sie können auch auf jeder Seite Kommentare schreiben.

Über Viktor Leberecht 688 Artikel
Viktor Leberecht ist studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Er gehört keiner Religion oder weltanschaulichen Gruppe an. Viktor lebt seit 2003 in einer polyamoren und offenen Beziehung mit einer Frau, die mit einem anderen Mann verheiratet war - ihr Ehemann starb 2018. Viktor redet und schreibt über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


Ich akzeptiere

*