Polyamorie in deutschen Krimiserien, einmal gut und einmal schlecht

Polyamorie in deutschen Krimiserien
Ist die Darstellung von Polyamorie in deutschen Krimiserien kriminell?

Wenn Polyamorie in deutschen Krimiserien im TV vorkommt, ist das erst einmal gut. Denn es ist ein Zeichen, dass Polyamorie wahrgenommen wird. Und die Wahrnehmung der Existenz der Polyamorie als Lebensform mit dem Ziel der gesellschaftlichen Akzeptanz ist ein Anliegen, das ich mit Viktor Leberecht Blog verfolge.

Also erst einmal Fanfare, dass letzte Woche Polyamorie gleich zweimal in deutschen Krimiserien vorkam, einmal beim ZDF in Letzte Spur Berlin, und einmal bei der von Ihrer Reichweite und gesellschaftlichen Bedeutung vermutlich wichtigsten Serie, dem von der ARD ausgestrahlten Tatort.

Polyamorie in deutschen Krimiserien – das Erfreuliche

Polyamorie im ZDF – Story blöd, aber Polyamorie differenziert erläutert

Die Folge 11 der Staffel 6 der Krimireihe „Letzte Spur Berlin“ mit dem Titel „Liebesreigen“ erzählte eine nicht wirklich überzeugende Geschichte. Mehr dazu bei Polyamorie Magazin im Artikel Polyamorie im Krimi beim ZDF – geht doch. Die Gechichte aber ist mir nicht so wichtig.

Viel wichtiger war, dass in ausführlichen Passagen erläutert wurde, wie die „klassische“ Form der Polyamorie mit Hierarchien funktioniert, wie sie in den Anfängen der Polyamorie gedacht wurde. Da gibt es einen wichtigsten Partner/-in, und die weiteren müssen gegebenenfalls zurückstehen.

Die Erläuterungen zur Polyamorie kommen nicht nur von denen, die Polyamorie leben. Sie kommen auch von Mitgliedern des Ermittlerteams, die ihren zum Teil skeptischen Kollegen erklären, wie das funktioniert.

Das erscheint mir realistisch dargestellt, denn skeptische und ablehnende Reaktionen kennt jeder Polyamorie lebende Mensch. Wer sich zum offenen Umgang damit entschließt, erlebt das bisher fast zwangsläufig, wie Sie im Polyamorie Magazin in Artikeln in der Serie Coming-Out als Polyamor lesen können.

Polyamorie in der ARD Teil 1 – korrekt erläutert, aber mehr nicht

In der Folge 1022, „Die Liebe, ein seltsames Spiel“ wird in einer kurzen Szene Polyamorie erläutert. Die Erklärung ist korrekt. Das war es dann auch schon mit den positiven Aspekten der Darstellung von Polyamorie im Tatort.

Polyamorie in deutschen Krimiserien – der nicht so erfreuliche Aspekt

Polyamorie in der ARD Teil 2 – Marketing mit Vorurteilen

Leider gab es auch einen weniger erfreulichen Aspekt bei all dem. Und das war die Art, wie die ARD den Begriff Polyamorie für das Marketing nutzte. Der Tatort wurde vorab als Polyamorie Tatort beworben, wie in dieser Inhaltsangabe. Und die Medien haben das voll aufgegriffen, wie ich im Artikel „Polyamorie im Tatort oder auch nicht“ berichte. Nur hatte der Tatort mit Polyamorie bis auf eine kurze Szene gar nichts zu tun.

In der Szene erklärt eine der Geliebten des Hauptverdächtigen, dass Polymaorie bedeute, gleichzeitig mehrere Liebesbeziehungen mit Wissen und Einverständnis aller Beteiligten. so weit, so richtig.

Aber die eigentliche Geschichte dreht sich um einen Mann, der genau das nicht tut. Auch das wird in der Szene richtig erklärt. Nur wird durch eine zwei Minuten dauernde Erklärung der Polyamorie aus einem 90 Minuten Tatort über Morde an zwei Geliebten des Mannes, der eben keine Polyamorie lebt, kein Polyamorie Tatort.

Stattdessen wurden durch das Marketing als Polyamorie Tatort in den Köpfen der Zuschauer die Verhaltensweisen dieses Mannes, der einfach nur seine Frau und seine Geliebten betrügt, mit Polyamorie verquickt.

So werden vermutlich bei der breiten Masse diverse der üblichen Vorurteile über Polyamorie verfestigt. Ich wage zu bezweifeln, dass die ARD damit dem Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender gerecht wurde. Wer das nachlesen möchte: so schreibt die ARD über Ihren Auftrag, und hier ausführlich.

Polyamorie in deutschen Krimiserien – warum das wichtig ist

Wie schade, dass die Marketing Leute der ARD sich entschlossen haben, unter falscher Flagge zu werben, indem sie als Polyamorie verkauften, wo doch nur eine Geschichte über klassischen (pseudo-)monogamen Betrug drinsteckte. Die Quote haben sie damit offenbar nach oben gebracht.  In diesem Fall war laut Stern der Tatort mit 8,74 Millionen die mit Abstand quotenstärkste Sendung am Sonntagabend.

Einer dem Bildungsauftrag der ARD entsprechenden fairen und nicht nur sachlich korrrekten Darstellung von Polyamorie wurde das nicht gerecht. Das gilt auch wenn dies „nur“ eine Unterhaltungssendung war.  Denn der Tatort ist eine gesellschaftliche Institution. Wenn da Polyamorie vorkommt, dann haben die genannten Millionen das nicht nur gesehen. Sie sprechen auch am nächsten Tag mit anderen darüber. Und der Großteil sprach vermutlich nicht über Polyamorie, sondern über ein Zerrbild, so wie die TV Kritiker von Zeit, Welt und NTV, siehe mein Artikel Polyamorie im Tatort oder auch nicht.

Ich kann mir die Frage nicht verkneifen, ob die Damen und Herren bei der ARD mit einer anderen „Randgruppe“ genauso sorglos umgegangen wären. Setzen Sie ein, welche Sie wollen.

Die Verantwortlichen wären sich bewusst gewesen, dass dies Ihnen nicht nur einen Shitstorm, sondern vielleicht Prozesse eingehandelt hätte. Aber bei Polyamorie fehlt es noch an dieser Bewusstheit.

Liebe ARD Marketing- und andere -Verantwortliche. Informieren Sie sich besser. Lesen Sie zum Beispiel meine Artikel hier und auf der Webseite Polyamorie Magazin.

Neuer Artikel zum Thema: Ist Polyamorie in Deutschland auf neuem Level?

Polyamorie im Radio bei Eldoradio mit Viktor Leberecht

P.S:

Nicht zuletzt war der Tatort reichlich langweilig.

Photo by pasa47

Sie finden in der Artikelserie Sehenswert - Poly in TV und Kino auf Viktor-Leberecht.de alle Artikel zu Büchern, und manchmal auch Artikeln, über Polyamorie, Polygamie und andere Themen, die ich als lesenswert empfehle.

Weitere Artikelserien

Sie finden hier noch weitere Artikelserien, beispielsweise:

Meine Thesen zu Polygamie und Monogamie in der demokratischen Gesellschaft

Wenn Sie meine Meinung kennen lernen wollen über Polygamie und deren möglichen Beitrag zur modernen, auf den Menschenrechten basierenden, demokratischen Gesellschaft, dann lesen Sie bitte meine Thesen zu Polygamie und Monogamie.

Kompetente Polyamorie Beratung von Viktor Leberecht

Ich biete auf meiner Seite Polyamorie-Berater persönliche Beratung zu Polyamorie und offenen Beziehungen sowie Vorträge über Polyamorie an.

Mehr erfahren Sie auf der Seite Polyamorie Beratung von Viktor Leberecht.

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Weitere Informationen über Polyamorie

Wenn Sie nach Informationen über Polyamorie suchen, besuchen Sie am besten Polyamoriemagazin.de, das Lifestyle Magazin für Polyamorie und offene Beziehungen. Dort finden Sie allgemeine Informationen im Bereich Was ist Polyamorie, was Polyamorie ist, wie Polyamorie funktioniert, wo Sie andere Polyamorie lebende Menschen treffen können, sowie weitere Themen in diversen Unterbereichen, beispielsweise:

Sie finden dort außerdem aktuelle Berichte in diversen Artikelserien über  Polyamorie, in denen es darum geht, wie Menschen Polyamorie leben, sowie weitere Themen, beispielsweise:

Sie finden dort Artikel, die ich in aller Welt gefunden habe, zumeist in deutscher und noch öfter in englischer Sprache, dann habe ich meist eine Zusammenfassung geschrieben.

Weitere Informationen über Polygamie

Wenn Sie nach allgemeinen Informationen über Polygamie such, finden Sie auf Polygamie ist gut für Sie.de auch Informationen, was Polygamie ist, wie Polygamie funktioniert, welche Vorurteile es über Polygamie lebende Menschen gibt, sowie weitere Themen in diversen Unterbereichen, beispielsweise:

Last updated: Juni 8, 2017 at 14:16 pm

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Über Viktor Leberecht 110 Artikel

Viktor Leberecht ist mein Pseudonym für meine Arbeit als freier Autor. Ich bin studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist.
Ich lebe seit 2003 in einer polyamoren Beziehung mit einer verheirateten Frau.
Ich schreibe über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben.
Ich setze mich für Mehrfachbeziehungen im Rahmen der Menschenrechte ein, also natürlich gleiches Recht für alle.

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