Polyandrie: wie Polygamie funktionieren kann (ZEIT, 27.03.2013)

Polygamie ist gut für Sie Logo

Für die meisten Männer in Deutschland ist Polyandrie, eine Frau mit einem anderen zu teilen, unvorstellbar. In tibetischen Familien ist diese Form der Polygamie eine funktionierende Tradition. Tibeter, die so leben, halten Polygamie für besser als Monogamie: „Die Vielehe“, sagt Dongqing, „ist einfach die bessere Ehe. So viel stärker, so viel intensiver.“, wie Angela Köckritz, Pekinger Korrespondentin, in der ZEIT vom 27.03.2013 unter dem Titel „Mann, Mann, Mann und Frau“ berichtete (Onlinedatum 07.04.2013 – 17:43 Uhr).

Eheform der Polyandrie passt zur Lebensweise

Für die Tibeter, denen Köckritz begegnet ist, passt diese Eheform zu ihrer Lebensweise, bei der Brüder sich nicht nur die Frau teilen, sondern gemeinsam wirtschaften, wobei oft einer oder mehrere lange Zeit auf Reisen oder mit dem Vieh auf den Weiden sind. Sie sind außerdem der Meinung, dass diese Lebensweise den Zusammenhalt der Familie stärkt. Auch für die Frau hat laut Köckritz diese Eheform Vorteile. Die Hausarbeit und Kinderbetreuung verteilt sich auf viele Schultern, und sollte einer der Männer sterben, bleiben ihr immer noch die anderen. Die Entwicklung, dass durch den Einfluss der Han-Chinesen nach und nach Tibeter zur Monogamie wechseln, finden diese Tibeter als Bedrohung ihrer Traditionen. Das ist genau das gleiche, wie wenn Menschen in westlichen Ländern durch Polyamorie und Polygamie die traditionelle Monogamie bedroht sehen.

Eheformen sind nicht naturgegeben, sondern kulturell erlernt und erlernbar

Der Artikel zeigt, dass Eheformen wie Monogamie oder Polygamie nicht etwa, wie vor allem Befürworter der Monogamie gerne behaupten, dem Menschen von Natur aus gegeben, sondern ein Produkt der jeweiligen Kultur sind. Wächst man in einer Gesellschaft auf, die Monogamie als normal ansieht, so wird man dies vemutlich auch so sehen, und das gleiche gilt für Polygamie.

Wenn es Ihnen schwerfällt, das zu glauben, denken Sie einfach daran, wie sich bei uns die Einstellung zu Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Ehen gewandelt hat. Vor vierzig Jahren noch unter Strafe, und noch lange danach als suspekt und als Bedrohung der Gesellschaft angesehen, haben die meisten Menschen in Deutschland sich heute daran gewöhnt. Viele Deutsche befürworten heute die Homo-Ehe. Betrachten Sie es einmal unter diesem Aspekt, dann erscheint es vielleicht nicht mehr so unvorstellbar, dass auch in der deutschen Gesellschaft Polygamie in all Ihren Formen einmal zusammen mit der Monogamie existieren könnte.

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Über Viktor Leberecht 689 Artikel
Viktor Leberecht ist studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Er gehört keiner Religion oder weltanschaulichen Gruppe an. Viktor lebt seit 2003 in einer polyamoren und offenen Beziehung mit einer Frau, die mit einem anderen Mann verheiratet war - ihr Ehemann starb 2018. Viktor redet und schreibt über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben.

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  1. Polyandry strengthens families for Tibetans

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