Slippery Slope auch in Deutschland gegen Homo-Ehe und Polygamie

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Es gibt das mir bisher vor allem aus den USA und Frankreich bekannte Argument des Slippery Slope auch in Deutschland [1.Slippery Slope Wikipedia]. Von diesem, wörtlich übersetzt, rutschigen Abhang sprechen vor allem besorgte Gegner der Homo-Ehe. Sie prophezeien dann regelmäßig, dass die Homo-Ehe auch zur Legalisierung der Polygamie, des Inzest und von Sex mit Tieren führen werde. So auch ein evangelischer Gemeindepfarrer in Bayern im Jahre 2015, wie die Webseite evangelisch.de berichtete (Link siehe unten).

Slippery Slope auch in Deutschland?

Eine Google Suche fördert kaum Anwendungen dieses Arguments in Deutschland zutage. Die deutsche Übersetzung von Slipppery Slope ist wörtlich „rutschiger Abhang“, jedoch wird der Ausdruck so in der deutschen Sprache nicht benutzt. Man spricht eher vom Dammbruch [2. Dammbruchargument] oder der schleichenden Ausweitung [3. Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den biomedizinischen Wissenschaften, Humanistische Union], aber wie gesagt eher selten, also eigentlich weit und breit kein rutschiger Abhang zu finden.

Insofern kann der oben erwähnte Pfarrer beinahe schon Originalität für sich beanspruchen; Realitätsbezug eher nicht. Denn besonders eilig haben es unsere Politiker nicht mit der Legalisierung der Homo-Ehe. Von Legalisierung der Polygamie gar nicht zu reden; schade eigentlich. Und Sex mit Tieren? Den darf man – Causa Böhmermann versus Erdogan – nicht mal in dichterischer Form jemand … eben: andichten.

Rutschen wir schon? Und wenn ja, wohin?

Ob es in Deutschland nun rutschig ist oder etwas ausgeweitet wird – ich verkneife mir sexuelle Anspielungen ganz ausdrücklich -, ich finde an dieser Argumentation mehreres bemerkenswert.

Zum einen ist da der besondere Hang konservativer Menschen zu Weltuntergangsvisionen. Nun ja, bei Christen und anderen Monotheisten verständlich, ruht doch deren gesamte Zukunftsvorstellung letztlich auf dem Weltuntergang; dass der seit über zweitausend Jahren trotz aller Prophezeihungen auf sich warten lässt, stört nicht.

Noch interessanter sind aber die meist sehr plastisch ausgemalten Phantasien, was vor dem Weltuntergang passieren wird. In diesem Fall geht es da immer um sexuelle Ausschweifungen. Bei dem Herrn Gemeindepfarrer Weigel klang das so:

Eine „Ehe für alle“ würde nach Weigels Worten „in letzter Konsequenz“ etwa eine Ehe zwischen Eltern und Kindern ermöglichen oder gar von einem Menschen „mit seinem geliebten (Haus-)Tier“, beispielsweise „mit seinem Hund, seiner Katze, seinem Pferd, seinem Schaf, seiner Kuh?“.

Der Gemeindepfarrer ist nur ein Beispiel, es klingt immer ähnlich. Ein Schelm, wer da mit psychologischer Halbbildung wie ich Projektion der eigenen unterdrückten Sexualität in andere am Werke sieht. Denn schlecht, nämlich pervers, sind immer die anderen:

Weiter heißt es: „Wie dekadent und pervers müssen einzelne Vertreter unserer Politik und Gesellschaft eigentlich sein, um auf solche Ideen und Forderungen zu kommen?“

Genau! Ich bin auch so ein perverser Dekadenter. Denn wie geneigte Leser wissen, trete ich für freiwillige, auf gegenseitigem Einverständnis aller Beteiligten beruhende Mehrfachbeziehungen unter Erwachsenen und deren Akzeptanz durch unsere Gesellschaft ein. Sei dies ehelos als Polyamorie, oder ehelich als Polygamie.

Bizarr, theologisch schmalbrüstig

Die Worte aus der Überschrift könnten von dem Herrn Pfarrer stammen, tun sie aber nicht. Es handelt sich um die Einschätzung seines Handelns durch höhere Stellen.

Der Sprecher der bayerischen evangelischen Landeskirche, Michael Mädler, bezeichnete die Äußerungen des Pfarrers … als „bizarre Fantasien“. Selbstverständlich könne man über die gleichgeschlechtliche Ehe aus theologischer Perspektive unterschiedlicher Auffassung sein. Diese Debatte müsse aber seriös geführt werden, nicht so „theologisch schmalbrüstig“ und in dieser Form „schon gar nicht als geistliches Wort“, sagte Mädler dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Sprecher bezeichnete Weigels Vorwürfe als eine „völlige Verzerrung“ dessen, was Politiker tatsächlich forderten.

Zum Glück haben wir an öffentlicher Stelle zumeist noch Menschen mit derart gesundem Menschenverstand. Statt wie in den USA einen Präsidenten mit fragwürdigen intellektuellen Fähigkeiten.

Lasst uns also weiter rutschen, zur Homo-Ehe und hoffentlich auch zur Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie.

„Ehe zwischen Mensch und Tier“: Kritik eines Pfarrers beschäftigt Kirchenjuristen

Dieser Artikel erschien bei Viktor Leberecht.

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Viktor Leberecht ist studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Er gehört keiner Religion oder weltanschaulichen Gruppe an. Viktor lebt seit 2003 in einer polyamoren und offenen Beziehung mit einer Frau, die mit einem anderen Mann verheiratet war - ihr Ehemann starb 2018. Viktor redet und schreibt über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben.

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