Während der Westen die Polyandrie neu entdeckt, lassen manche Nepalesen sie hinter sich (globalpressinstitute.org, 16.01.2013)

Polygamie ist gut für Sie Logo

In einem ausführlichen und gründlichen Bericht vom 16.01.2013 stellt die Journalistin Lochana Sharma bei globalpressinstitute.org dar, wieso immer mehr der bisher Polyandrie (= eine Frau mit mehreren Männern) praktizierenden Nepalesen sich für Monogamie entscheiden.

Laut Lochana Sharma lebten ohnehin nie mehr als 10% der Menschen in Nepal in polyandren Gemeinschaften. Das spiegelt die Situation in Gesellschaften wider, die Polygynie (ein Mann mit mehreren Frauen) praktizieren, wo meist nur 5-10% der Männer mehrere Frauen haben.

In den nepalesischen Gemeinschaften die Polyandrie praktizieren, war laut Locharna Sharma zumeist Armut der Grund für diese Praxis. Denn jeder männliche Nachkomme hatte Anspruch auf einen Teil des ohnehin meist kleinen Landbesitzes. Um eine Zersplitterung und weitere Verarmung zu verhindern, wurde Polyandrie praktiziert. Dies bot durchaus auch Vorteile, da nicht nur der Besitz zusammengehalten und das Einkommen für alle gesichert wurden, sondern auch die Arbeit geteilt wurde. Ebenso sicherte es einen hohen Grad an Zusammenhalt der Familie.

Mehr Ausbildungs- und Verdienstmöglichkeiten ermöglichen selbstbestimmte Wahl der Eheform

Mit der Verbreitung besserer Ausbildungs- und Erwerbsmöglichkeiten haben nun jedoch mehr Männer die Möglichkeit, alleine genügend zu verdienen, um eine Familie zu ernähren. Sie optieren daher immer öfter für monogame Liebesheiraten, statt sich der Praxis der üblicherweise von den Familien arrangierten Mehrfachheiraten zu beugen. Dies bringt für sie oft erhebliche Konflikte, denn es führt meist zum Bruch mit der Familie und dem Verlust des Anspruchs auf einen Teil des Erbes.

Der Artikel Education Erodes Polyandry in Rural Nepal erscheint mir, trotz einer deutlich spürbaren Sympathie der Autorin Lochana Sharma für diesen Wechsel zur Monogamie, sehr lesenswert, da er die Situation gründlich und aus verschiedenen Blickwinkeln darstellt.

Traditionelle Gesellschaften wechseln zur Monogamie, während der Westen die Polygamie neu entdeckt

Es erscheint faszinierend, wie einige Menschen in dieser traditonellen Gesellschaft sich wegen ihrer besonderen Situation gegen die althergebrachte Lebensweise entscheiden. Das ist ein in der Geschichte der Menschheit immer wieder zu findendes Phänomen und hat sich immer wieder auf diverse althergebrachte Lebensweisen bezogen.

In diesem Fall wechseln die Menschen von der polygamen Lebensweise zur monogamen Lebensweise, zum Teil aus rein wirtschaftlichen Gründen, zum Teil weil sie über ihr Leben selbst bestimmen wollen. Das erinnert daran, wie viele Frauen in islamischen Ländern sich auch deshalb gegen Polygamie engagieren, weil sie mit der alten, sie benachteiligenden Gesellschaftsordnung in Verbindung gebracht wird.

Mir erscheint das nachvollziehbar und unterstützenswert, da ich mich auf Polygamie-ist-gut-fuer-Sie und mit meinen Thesen zu Polygamie und Monogamie für selbstbestimmtes Leben einsetze, und nicht etwa dafür, dass alle Menschen polygam leben (siehe auch meine Seite: Fragen und Antworten). Menschen sollten über ihr Liebesleben selbst entscheiden dürfen, und nicht von Eltern, Clans oder gar dem Staat in eine bestimmte Form gezwungen werden.

Zur gleichen Zeit entdecken immer mehr Menschen im Westen, dass polygame Lebensweisen in all Ihren Formen – Polygamie und Polyamorie – eine Lebensform sind, die Ihnen als  eine sinnvolle Alternative zur bei uns üblichen seriellen Monogamie und dem ebenso seriellen Ehebruch erscheinen (siehe meine Seite mit Statistiken). Sie wird uns aber bisher vorenthalten, und in verschiedenen Ländern kämpfen Menschen für die Anerkennung solcher Lebensformen. Dies ist ein spannender Prozess und zeigt für mich einmal mehr, dass es nie die eine für alle Menschen gültige und richtige Lebensform geben kann. Wir brauchen eine möglichst große Zahl an Möglichkeiten, um selbstbestimmmt die uns gemäße Lebensform wählen zu können.

 

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Über Viktor Leberecht 689 Artikel
Viktor Leberecht ist studierter Historiker, sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Er gehört keiner Religion oder weltanschaulichen Gruppe an. Viktor lebt seit 2003 in einer polyamoren und offenen Beziehung mit einer Frau, die mit einem anderen Mann verheiratet war - ihr Ehemann starb 2018. Viktor redet und schreibt über Polyamorie und deren eheliche Form, die Polygamie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie und Polygamie zu werben.

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