Auf der Seite „Geschichte der Polyamorie“ bei „Polyamorie Magazin.de“ wird erläutert, seit wann es Polyamorie gibt und wie Polyamorie entstand. Wenn Sie eher eine allgemeine Einführung lesen wollen, dann wechseln Sie doch zur übergeordneten Seite: Was ist Polyamorie? Für Neugierige und Anfänger/innen, wo nicht nur diese Frage beantwortet wird, sondern Sie auch einen kurzen Text zur Geschichte der Polyamorie finden.

Seit wann gibt es Polyamorie?

Lebensformen wie die Polyamorie gab es schon lange, bevor der Begriff erfunden wurde. In der Antike sprach man einfach von Polygamie. Denn unter den Begriff fiel damals und fällt auch heute noch nicht nur die polygame Ehe, sondern wie beispielsweise Wikipedia erläutert, auch die Duldung von gleichzeitigen eheähnlichen Beziehungen1Die Polygamie (gr. πολύς polys „viel“ und γάμος gamos „Ehe“) bezeichnet in Bezug auf den Menschen eine Form der Vielehe und der Duldung von gleichzeitigen eheähnlichen Beziehungen. Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Polygamie. Warum dann aber ein neuer Begriff? Gute Frage.

Die Menschen während der griechischen und römischen Antike brauchten keinen Extra-Begriff. Sie fanden Mehrfachbeziehungen oder zumindest Promiskuität normal. Allerdings meist nur für Männer, nicht für Frauen. Dahinter stand vermutlich vor allem der Wunsch der Männer nach Sicherheit, dass die Kinder, die an ihrem Tisch aßen, für deren Ernährung sie zumeist auf den Feldern schufteten, und die später ihre Erben wurden, auch tatsächlich ihre eigenen waren.

Erst seit dem Mittelalter, vor allem wegen christlicher Vorbehalte gegen Polygamie, kamen Mehrfachbeziehungen in Verruf. Was nicht heißt, dass sie nicht trotzdem geführt wurden. Meist natürlich heimlich, aber wenn man nur weit genug oben auf der gesellschaftlich-machthierarchischen Leiter stand, dann galten viele Regeln nicht so ganz. Auch viele Geistliche bis hinauf zu den Päpsten führten ein ausschweifendes Sexualleben; ein Papst soll sogar beim Sex mit einer Prostituierten am Herzinfarkt gestorben sein.

Das romantische Ideal der Liebe in Form der Minne2https://de.wikipedia.org/wiki/Minne gab es im Mittelalter zwar in der Literatur, unter anderem am Hofe der Eleonore von Aquitanien. Literatur aber wurde nur von wenigen gelesen, meist nur als Vortrag eines Minnesängers gehört, da nur wenige Menschen lesen konnten. Im realen Leben aber spielte dieses Ideal keine Rolle, wie nie vorher und noch für lange Zeit nicht. Geheiratet wurde in allen Gesellschaftsschichten aus rein pragmatischen Gründen. Wer sich da genauer einlesen will, als nur bei Wikipedia nachzusehen, dem empfehle ich „Stephanie Coontz. In schlechten wie in guten Tagen. Die Ehe – eine Liebesgeschichte“.

Eleonore und die Minnesänger erwähne ich hier nicht von ungefähr. Denn das in Ihrer Zeit erfundene und von Eleonore und Ihren Höflingen3https://de.wikipedia.org/wiki/Eleonore_von_Aquitanien#Wirkung_auf_zeitgen.C3.B6ssische_literarische_K.C3.BCnste rein als literarische Spielerei verstandene Ideal der höfischen Minne, wurde später gründlich missverstanden, nämlich als real erstrebenswertes Vorbild. Damit trug es ein Stück zur Idealisierung der ewigen Liebe bei, und noch dazu ohne Sex.

Ohne Sex, das ist dann noch schlimmer, als die schmachtenden Ergüsse der romantischen Schriftsteller Ende des 18. und im 19. Jahrhundert. Mit ihrer Verklärung der lebenslangen Liebe und eines Seelenpartners kreierten sie ein der Lebensrealität, auch ihrer eigenen, völlig fremdes Ideal. Das wird bis heute in ungezählten Gedichten, Romanen, Filmen und Popsongs verklärt. Realer ist es dadurch nicht geworden, wie ein Blick auf die Scheidungsstatistiken zeigt.

Die „Erfindung“ der Polyamorie

Polyamorie gibt es als Begriff und „Bewegung“ seit den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Es gab zwar möglicherweise den Begriff schon vorher4https://de.wikipedia.org/wiki/Polyamorie#Terminologie, aber als Konzept, das dann auch Wirkungskraft entfaltete, wurde der Begriff Polyamory geprägt von Morning Glory Zell-Ravenheart5https://en.wikipedia.org/wiki/Morning_Glory_Zell-Ravenheart in Ihrem Text „A Bouquet of Lovers“6https://web.archive.org/web/20030508180124/http://www.lair.org/writings/polyamory/bouquet.html.

Genau genommen, schreibt Zell-Ravenheart über eine offene Ehe, zu der weitere dauerhafte Liebes-Partner dazu kommen. Es gibt deshalb auch Regeln über Primary und Secondary Partner, und dass die Betonung immer auf dem Primary Partner liegen soll. Das findet sich heute immer seltener in Artikeln und Büchern über Polyamorie. Manche lehnen das sogar ab. Letztlich muss das jede und jeder für sich und mit seinen Partnern entscheiden.

Grundprinzipien der Polyamorie

Bis heute haben allerdings in allen mir bekannten Texten über Polyamorie die schon bei Zell-Ravenheart zu findenden Grundprinzipien der Polyamorie Bestand: Es geht um dauerhafte Liebes-Beziehungen. Diese beruhen auf Vertrauen und benötigen deshalb Offenheit, Ehrlichkeit, und vor allem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten.

Meine persönliche Geschichte der Polyamorie

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich diese Grundprinzipien bestätigen. Darauf beruht meine bisher längste Beziehung, nämlich meine seit 2003 bestehende polyamore und offene Beziehung mit einer Frau, die mit einem anderen Mann verheiratet war (erstarb 2018). Mehr über unsere Bezeihung auf der Seite Viktor.

Wissenschaftler empfehlen diese Verhaltensweisen auch für monogame Paare, wie Sie zum Beispiel hier lesen können: Scientific American empfiehlt Verhaltensmuster der Polyamorie als Anregung für Monogamie. Dabei gibt es allerdings ein Problem, auf das monogame Paare stoßen: Sie können kaum ehrlich über sexuelle Wünsche nach anderen Partnern oder gar Liebe für andere sprechen, weil dann die monogame Beziehung in Gefahr gerät: Verlustangst und Eifersucht kommen auf.

Aber glauben sie nun bloß nicht, dass es bei polyamor lebenden Menschen keine Eifersucht gibt. Speziell zur Eifersucht und wie man damit umgehen kann finden Sie Informationen an dieser Stelle auf der übergordneten Seite Was ist Polyamorie? Für Neugierige und Anfänger/innen.

Dieser Artikel erschien bei Viktor Leberecht.

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Der Bereich Was ist Polyamorie? mit diversen Unterseiten wie Vorurteile über PolyamoriePolyamorie Events und Treffen und Polyamorie Dating WebseitenPolyamorie Wissenschaft.

Im Bereich Was ist Polygamie? finden Sie zum Beispiel Vorurteile über Polygamie, Polygamie Einführungen, und Polygamie Wissenschaft.

Noch in Arbeit ist: Der Bereich Was ist Offene Beziehung?

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Ich habe im Jahr 2010 Thesen über den möglichen Beitrag von Nicht-Monogamie zur modernen, auf den Menschenrechten und Gleichberechtigung basierenden, demokratischen Gesellschaft veröffentlicht und diese ständig weiter entwickelt. Aus den Thesen erfahren Sie, wie Liebe und Familie frei von staatlicher Überregulierung in einer demokratischen Gesellschaft gestaltet werden könnten, und wie wir alle, auch die Anhänger der Monogamie, von übermäßiger und verfassungswidriger staatlicher Regulierung unseres Liebes- und Familienlebens eingeschränkt werden. Thesen über Liebe und Familie frei von übertriebener staatlicher Regulierung.

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