Was ist Polygamie? Na, das weiß doch jeder. Oder? Nach diesem Anfang ahnen Sie vielleicht, dass dies nicht stimmt.

Polygamie ist Faszinosum und Tabu, Wunschtraum und Schreckbild, das liegt im Auge des Betrachters, und oft genug überschneiden sich in einer Person bewusst und wohl noch öfter unbewusst positive und negative Qualifizierung der Polygamie.

Was Polygamie nicht ist

Um gleich das am weitesten verbreitete Vorurteil anzugehen: Polygamie ist kein von frauenfeindlichen Patriarchen ersonnenes Unterdrückungsinstrument  zur Unterjochung von Frauen, weder per Definition, noch in der Realität.

Polygamie ist laut Wikipedia einfach nur der Oberbegriff für jede Art von Mehrfachbeziehung, sei es in Form der Vielehe oder in der Form von gleichzeitigen eheähnlichen Beziehungen. 1Zitat, Stand 08.02.2019: „Polygamie (altgriechisch polys „viel“, und gamos „Ehe“) oder Vielehigkeit bezeichnet bei Menschen eine Form der Vielehe und der Führung von „gleichzeitigen eheähnlichen Beziehungen“. https://de.wikipedia.org/wiki/Polygamie Und der bei Wikipedia verwendeten Begriff „gleichzeitige eheähnliche Beziehungen“ ist übringens eine Beschreibung von Polyamorie.

Mehr dazu, was Polygamie nicht ist, finden Sie auf der Seite Vorurteile über Polygamie. Und was sie ist, das erfahren Sie am besten auf der Seite Polygamie Einführungen. Und dann gibt es noch einige weitere Seiten im Bereich „Was ist Polygamie?“, wo ich so faktenbasiert wie möglich, über Polygamie informiere.

Polygamie ist ein Menschenrecht

Vor allem aber ist Polygamie ein Menschenrecht. Denn das Recht auf Heirat und Gründung einer Familie, sofern diese freiwillig, also ohne Zwang, von Menschen im heiratsfähigen Alter eingegangen wird, ist ein Menschenrecht. Ihr generelles Verbot in vielen Staaten ist deshalb ein unzulässiger Eingriff des Staates in die unveräußerlichen Menschenrechte. Denn es gibt keinen vernünftigen, mit den Menschenrechten oder den Prinzipien der Gesetzgebung zu vereinbarenden Grund für dieses Verbot. Denn durch eine freiwillig eingegangene Mehrfachehe wird kein Schaden angerichtet. Verbote, insbesondere Einschränkungen der Menschenrechte, darf es nur geben, um Schaden vorsorglich abzuwenden oder nachträglich zu ahnden. 

Diese wurden 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen international einheitlich für alle Mitgliedstaaten der UN festgeschrieben; für unser Thema zählt Artikel 16 2Artikel 16
1. Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse,
der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu
gründen. Sie haben bei der Eheschließung, während der Ehe und bei deren Auflösung
gleiche Rechte.
2. Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen
Ehegatten geschlossen werden.
3. Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz
durch Gesellschaft und Staat. Zitiert nach deutschem Originaltext bei der UN.
.

Rechte aus dieser nicht rechtsverbindlichen Erklärung wurden 1966 in zwei internationalen Pakten 3 Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte (englische Originalversion beim Office of the High Commissioner for Human Rights (UN Human Rights) (dt Version beim Institut für Menschenrechte) und der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (englische Originalversion beim Office of the High Commissioner for Human Rights (UN Human Rights) (dt Version beim Institut für Menschenrechte). genauer ausformuliert und sind vertragsrechtlich bindend festgelegte Rechte für die Bürger/-innen aller Staaten, welche diese Pakte unterzeichnet und ratifiziert haben4Offizielle UN-Listen der Länder, die den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte bzw. den „Sozialpakt“ ratifiziert haben.; darunter ist meine Heimat Deutschland. 

Aus dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte interessiert hierzu der Artikel 23:

(1) Die Familie ist die natürliche Kernzelle der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.
(2) Das Recht von Mann und Frau, im heiratsfähigen Alter eine Ehe einzugehen und eine Familie zu gründen, wird anerkannt.
(3) Eine Ehe darf nur im freien und vollen Einverständnis der künftigen Ehegatten geschlossen werden.
(4) Die Vertragsstaaten werden durch geeignete Maßnahmen sicherstellen, dass die Ehegatten gleiche Rechte und Pflichten bei der Eheschließung, während der Ehe und bei Auflösung der Ehe haben. Für den nötigen Schutz der Kinder im Falle einer Auflösung der Ehe ist Sorge zu tragen. 5Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte (englische Originalversion beim Office of the High Commissioner for Human Rights (UN Human Rights) Hier zitiert nach der dt. Version beim Institut für Menschenrechte.)

Im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte interessiert hierzu der Artikel 10, wo ebenfalls steht: “ Eine Ehe darf nur im freien Einverständnis der künftigen Ehegatten geschlossen werden; 6Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (englische Originalversion beim Office of the High Commissioner for Human Rights (UN Human Rights), zitiert nach dt Version beim Institut für Menschenrechte.

Die Zahl der Ehepartner ist irrelevant für das Recht zu heiraten

Nirgendwo, weder in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, noch in einem der beiden Pakte ist die Zahl der Ehepartner festgelegt. Die einzigen Kriterien für das Recht auf Schließung einer Ehe sind a) Heiratsfähigkeit b) Freiwilligkeit. Also besteht zumindest auf Basis der Menschenrechte kein Grund für ein Verbot der Polygamie; ja sie zu verbieten ist – ich wiederhole es bewusst – ein unzulässiger Eingriff in eben diese Menschenrechte.

Willkürlich und rechtswidrig wurden in vielen Staaten Beschränkungen für die Anzahl der Ehepartner festgelegt

Viele der Unterzeichner dieser Pakte haben diese Rechte auch durch ihre Verfassungen und / oder einzelne Gesetze geschützt. In meinem Heimatland Deutschland garantiert das Grundgesetz, basierend auf der Unantastbarkeit der Menschenwürde, diese Grundrechte; alles weitere regeln Einzelgesetze des Bundes, z.B das Familienrecht.

Und da gibt es in Deutschland wie in vielen Staaten Beschränkungen der Zahl der Ehepartner, aber völlig ohne jede Begründung. Das wird einfach verfügt, und meiner Meinung nach gibt es keinen vernünftigen, mit den Menschenrechten oder den Prinzipien der Gesetzgebung zu vereinbarenden Grund für dieses Verbot.

Denn Verbote, insbesondere Einschränkungen der Menschenrechte, darf es nur geben, um Schaden vorsorglich abzuwenden oder nachträglich zu ahnden. Durch eine freiwillig eingegangene Mehrfachehe wird kein Schaden angerichtet. Also darf sie nicht verboten werden.

Eine  ausführlichere Darstellung, warum es dieses Verbot gibt und weshalb seine Aufhebung nötig ist und zum Vorteil der Gesellschaft wäre, finden Sie in meinen Thesen über Liebe und Familie frei von übertriebener staatlicher Regulierung, von Viktor Leberecht – alle Thesen.

Warum ich über Polygamie schreibe

Ich bin aus meiner eigenen Erfahrung des Lebens in einer seit Dezember 2003 bestehenden polyamoren Beziehung mit einer verheirateten Frau dazu gekommen, über das Thema nachzudenken. Nach längerem Zögern – wollte ich wirklich zu diesem heiklen Thema in der Öffentlichkeit stehen? -, habe ich im November / Dezember 2010 begonnen, meine Thesen und Artikel zu dem Thema auf dieser Webseite zu veröffentlichen.

Ich bin keineswegs der erste, der auf den Gedanken kam, dass Polygamie ein Menschenrecht ist. Oder um es umfassender zu sagen, dass die freie Entscheidung über die Form des heterosexuellen, homosexuellen oder gemischt-sexuellen familiären Zusammenlebens ein Menschenrecht ist. Daher ist ein Verbot der Polygamie in Staaten, die ihren Bürgerinnen und Bürgern die Menschrechte garantieren, ein Verstoß gegen die Menschrechte. Aber eine wichtige Idee kann gar nicht von genug Menschen ausgesprochen werden.

Ich halte das Thema für so wichtig, dass unsere Gesellschaft – in Deutschland, aber auch in anderen Ländern -, sich damit befassen muss, wenn sie es mit den Menschenrechten ernst meint. Die Menschen- oder Individualrechte sind letztlich nichts anderes als der Anspruch und das Vertrauen, dass erwachsene, geistig zurechnungsfähige und freie Menschen keine Götter, absoluten Herrscher oder andere Autoritäten benötigen, die Ihnen Vorschriften machen, wie sie ihre privaten Angelegenheiten zu ordnen haben. Solange ein Mensch einem oder mehreren anderen Menschen keinen Schaden zufügt, ist er frei, sein Leben zu gestalten, wie er will.

Mein Grundgedanke zu Polygamie und Monogamie

Wenn zwei (Monogamie) oder mehr (Polygamie) Menschen ein familiäres Zusammenleben führen wollen, und alle Beteiligten diese Beziehung(en) freiwillig und wissentlich eingehen, dann hat der Staat das nicht zu verbieten, sondern zu unterstützen.

Denn Liebe, Sexualität und Familie sind neben Geborenwerden und Sterben der privateste Bereich menschlicher Existenz, in den der Staat sich nur einzumischen hat, um Schaden von Einzelnen oder Mehreren abzuwenden oder entstandenen Schaden zu ahnden.

Eine polygame Beziehung unter gleichberechtigten erwachsenen Partnern, die von allen Beteiligten freiwillig und mit Wissen um alle Beteiligten – das unterscheidet sie von der zurecht verbotenen, heimlich geführten Mehrfachehe, die man Bigamie nennt – eingegangen wird, fügt niemand Schaden zu, weder den Beteiligten, noch der Gesellschaft. Sie zu verbieten, ist daher ein Verstoß gegen die Menschrechte und schlichtweg überflüssig, denn Verbote darf es auch unabhängig von der Frage der Menschrechte nur geben, wo Schaden verhindert werden soll oder die Möglichkeit bestehen soll, entstandenen Schaden nachträglich zu ahnden.

Meine Thesen über Polygamie und Monogamie in der modernen Gesellschaft

Im Laufe der Arbeit an dieser Webseite habe ich aus diesem Grundgedanken mehrere Thesen entwickelt, warum Polygamie ein wichtiger Beitrag zur modernen Gesellschaft sein kann. Diese entwickle ich immer weiter. Wenn Sie sich dafür interessieren, vielleicht sogar Anregungen geben möchten, finden unter folgendem Link meine Thesen über Liebe und Familie frei von übertriebener staatlicher Regulierung, von Viktor Leberecht – alle Thesen.

Dieser Artikel erschien bei Viktor Leberecht.

Die Webseite Viktor Leberecht - Übersicht über die Inhalte

Sie finden auf der Website von Viktor Leberecht - Experte, Redner, Autor und Berater für Polymaorie und offene Beziehungen sowie Aktivist für Liebe und Familie frei von staatlicher Überregulierung -, aktuelle Artikel und allgemeine Informationen über Polyamorie, Polygamie und offene Beziehung. Und Sie erfahren, wie wir alle, auch die Anhänger der Monogamie, von übermäßiger und verfassungswidriger staatlicher Regulierung unseres Liebes- und Familienlebens eingeschränkt werden.

Artikelserien

Die Artikel habe ich zumeist selbst geschrieben, außer es ist ein anderer Autor genannt.

Allgmeine Informationen über Polyamorie, Polygamie und Offfene Beziehung

Der Bereich Was ist Polyamorie? mit diversen Unterseiten wie Vorurteile über PolyamoriePolyamorie Events und Treffen und Polyamorie Dating WebseitenPolyamorie Wissenschaft.

Im Bereich Was ist Polygamie? finden Sie zum Beispiel Vorurteile über Polygamie, Polygamie Einführungen, und Polygamie Wissenschaft.

Noch in Arbeit ist: Der Bereich Was ist Offene Beziehung?

Meine Thesen über Liebe und Familie frei von übertriebener staatlicher Regulierung in der demokratischen Gesellschaft

Ich habe im Jahr 2010 Thesen über den möglichen Beitrag von Nicht-Monogamie zur modernen, auf den Menschenrechten und Gleichberechtigung basierenden, demokratischen Gesellschaft veröffentlicht und diese ständig weiter entwickelt. Aus den Thesen erfahren Sie, wie Liebe und Familie frei von staatlicher Überregulierung in einer demokratischen Gesellschaft gestaltet werden könnten, und wie wir alle, auch die Anhänger der Monogamie, von übermäßiger und verfassungswidriger staatlicher Regulierung unseres Liebes- und Familienlebens eingeschränkt werden. Thesen über Liebe und Familie frei von übertriebener staatlicher Regulierung.

Experte, Redner, Autor und Berater für Polymaorie und offene Beziehungen: Viktor Leberecht

Ich biete zu den oben genannten Thenen:

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