Beim Thema Polygamie schaltet bei vielen Menschen die emotionale Bilderwelt auf den Modus “Amoklauf” oder “lustvolle Phantasie”, gerade deshalb kann es nur guttun, die Sache einmal ganz nüchtern in einem Schema möglicher Mehrfachbeziehungen darzustellen.

Es ist natürlich unmöglich, jede Art möglicher Beziehungen darzustellen. Die folgende Grafik richtet sich vor allem an Menschen, für die das ganze Thema Polygamie und Polyamorie und die Vielzahl möglicher Beziehungen neu oder unvertraut ist. Sie hält sich deshalb an die den meisten Menschen vertrauten, sozusagen ”klassischen” Geschlechterdefinitionen, wobei man ein durch den Körper definiertes biologisches Geschlecht hat und die sexuelle Ausrichtung – aus welchen Gründen auch immer – sich auf das andere oder das gleiche Geschlecht richtet oder auf beide.

Sexualität – bestimmt durch das Geschlecht?

Schon letzteres – die sexuelle Ausrichtung auf das eigene Geschlecht – hat selbst in liberalen westlichen Gesellschaften noch immer oft genug mit Ablehnung und Unverständnis zu kämpfen. Und wenn man sich erst mit Fragen beschäftigt – um gleich mal ein sehr ungewöhnliches Beispiel zu nehmen -, was für eine Beziehung ein Mensch mit einem männlich aussehenden Körper, aber einem weiblich entwickelten Gehirn – ja, das gibt es, kann durch von starkem Stress ausgelöste Hormonausschüttungen während der Schwangerschaft entstehen – zu seiner bisexuellen Frau hat, dann merken Sie, liebe Leserinnen und Leser, wie kompliziert es werden kann.

Vielen Menschen ist diese Vielfalt suspekt, sie macht Ihnen Angst, und sie wünschen sich klare Verhältnisse. Aber diese klaren Verhältnisse hat es noch nie gegeben, nur waren früher in den meisten Gesellschaften die Vorstellungen sehr klar, was und wie Menschen sein dürfen. Je freier unsere Gesellschaften werden, desto mehr trauen Menschen sich, auch früher als falsch oder ungewöhnlich angesehene Empfindungen zuzulassen und auszuleben.

Und die Wissenschaft entdeckt immer öfter, dass vieles, was früher als körperliche oder psychische Krankheit galt, keine ist. Und wo will man die Grenze für das “Richtige”, das “Erlaubte” ziehen? Warum sollte beispielsweise ein Mensch, der, sei es aufgrund genetischer Anlagen oder durch emotionale Erfahrungen – angenehmer oder unangenehmer Art – Homo- oder Bisexuell ist, nicht sein dürfen, wie er ist?

In einer auf den Menschenrechten basierenden Gesellschaft sollte meiner Meinung nach jede/r seine/ihre Sexualität in möglichst weiten Grenzen ausleben dürfen. Ich denke, es gibt immer genau so viele richtige Wege zu sein und zu leben, wie es gerade Menschen auf der Welt gibt, solange ich meine Mitmenschen in Frieden leben lasse und ihnen nicht absichtlich Schaden zufüge.

Schema möglicher Mehrfachbeziehungen – in Worten und im Bild

Die folgende Schematik ist bewusst auf die einfachsten Grundkonstellationen ausgerichtet und wendet sich vor allem an Menschen, denen das Thema weitgehend neu oder suspekt ist, und die beginnen wollen, zu verstehen, was bei Polygamie möglich wäre. Die unzähligen nicht aufgeführten emotionalen und sexuellen Zustände und Ausrichtungen sollen damit weder ausgegrenzt noch diskriminiert werden, und es soll auch niemand in das folgende Schema eingepresst werden.

Mit Worten beschrieben, gibt es folgende mögliche Konstellationen:

Heterosexuelle Beziehungen

  • eine Frau mit mehreren Männern (Polyandrie)
  • ein Mann mit mehreren Frauen (Polygynie)

Homosexuelle Beziehungen

  • eine Frau mit mehreren Frauen, wobei auch mehrere oder alle Beziehungen miteinander haben können
  • ein Mann mit mehreren Männern, wobei auch mehrere oder alle Beziehungen miteinander haben können

Gemischt-sexuelle Beziehungen

Dabei kann ein Mann oder eine Gruppe Männer mit einer Frau oder einer Gruppe Frauen untereinander diverse Beziehungen haben:

  • alle Beteiligten miteinander, oder
  • jede/r Beteiligte hat Beziehungen mit einem oder mehreren der Beteiligten

In dieser dritten Konstellation deutet sich an, was ich eingangs sagte, dass die Gründe für eine sexuelle Beziehung / Liebesbeziehung vielfältig sein können. So könnte beispielsweise in der Gruppe biologischer Frauen eine sein, die sich sexuell als Mann empfindet und Sex mit einem oder mehreren der Männer hat, weil sie sich homoerotisch angezogen fühlt.

Schema möglicher Mehrfachbeziehungen – am besten verdeutlicht es ein Bild

 

Schema Mehrfachbeziehungen

 

Zu einfach?

Falls Ihnen diese Darstellung zu einfach ist, dann schauen Sie sich die Map of Non-Monogamy bei Franklin Veaux an.

Dieser Artikel erschien bei Viktor Leberecht.

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Ich habe im Jahr 2010 Thesen über den möglichen Beitrag von Nicht-Monogamie zur modernen, auf den Menschenrechten und Gleichberechtigung basierenden, demokratischen Gesellschaft veröffentlicht und diese ständig weiter entwickelt. Aus den Thesen erfahren Sie, wie Liebe und Familie frei von staatlicher Überregulierung in einer demokratischen Gesellschaft gestaltet werden könnten, und wie wir alle, auch die Anhänger der Monogamie, von übermäßiger und verfassungswidriger staatlicher Regulierung unseres Liebes- und Familienlebens eingeschränkt werden. Thesen über Liebe und Familie frei von übertriebener staatlicher Regulierung.

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